Samstag, 26. Juli 2014

Zwei Spiegel in flirrender Hitze .....

.... der erste ein Verkehrsunfall. Es kracht laut, kurz nachdem ich am Halteplatz angesetzt habe. Ein Lieferwagen ist gegen die Straßenbahn geprallt. Stillstand .... bei 40 Grad Hitze.
Der Lieferwagenfahrer wollte nochmal kurz verboten abbiegen - die Verkehrsführung an diesem Ort ist etwas seltsam und zumindest für Ortsfremde, die sie nicht kennen, nicht gut ersichtlich. Scheint bei einem schweren Blechschaden zu bleiben. Fuerwehr rückt an .... die Bahn kommt nicht weiter und muß wohl irgendwie angehoben werden. 

Nicht lange danach bekomme ich natürlich Kundschaft -  ein quirliger Typ, den ich in die Stadt weiterfahre. "Glück gehabt" - sagt der zu mir und meint mich. Er hat Glück, war schnell genug, sich eines der wenigen Taxen hier an der Peripherie zu besorgen. Jetzt steigen nämlich die vielen Menschen aus den Waggons aus und schauen, wie sie weiterkommen.

Ich meine - das ist aber nicht das erste Mal auf diese Strecke, daß was mit der Straßenbahn ist. Der fährt die Strecke mit der Bahn jeden Tag - und berichtet, da passiert ständig sowas.

Für mich an diesem Tag nochmal eine gute "Erinnerung": "Fahr einfach ordentlich, mein Herz." Alles Andere - bringt es nicht, besonders nicht, wenn mensch soviele Stunden im Chaos unterwegs ist. Zwar weiß ich das schon lange, aber hier und da gibt´s mal kleine Versuchungen ... besonders, wenn mensch soviele Stunden im Chaos unterwegs ist.

Und: Nochmal mehr aufgepaßt - wenn jetzt die große Hitze kommt und langsam die Hirnflüssigkeiten weichkocht. Da agieren die Leut´ oft erstaunlich - anders als sonst.  Und ich neige dann zu einem eher zügigen Fahrstil.

Der zweite gute Spiegel: Der Kollege "Methusalem" am Flughafen.  Seit 54 Jahren fährt der Mann jetzt Taxi. An einem Samstag kam ich mit ihm ins Gespräch - und ließ mir was erzählen von ihm - hörte mal zu. Vielleicht kann ich ja nochwas lernen? Für meinen Geschmack aber - klagte er einfach zuviel ....

Gestern setzt er hinter mir an - und  "paßt mit auf", wann wir dran sind. (Im Grunde braucht er mir nur zu vertrauen .... egal.). Nach einem Kurzurlaub bei angenehmem Wind im Schatten der Bäume und einer formidablen, echten, handgemachten und köstlichen Pizza mit hauchdünnem Teig und moderatem Belag (genauso soll das sein!) aus der "formidablen Bude" ... geht´s irgendwann langsam weiter. Ich gucke auf den Monitor - der anzeigt, wann wir hochfahren können auf die Rampe - und "Methusalem" fragt aus dem schattigen Plätzchen heraus:
"Sind wir jetzt dran?" - Ich grinse und meine "Hast Du´s eilig?"
"Ich bin aufgeregt." sagt der.
 "Anfänger!" - gebe ich mal zurück - und lach mir einen.

Oben erzählt er mir eine Story - aus seiner langjährigen Karriere. Neulich habe ihn eine junge Kollegin total angebrüllt an dem Halteplatz, den er seit 54 Jahren bevrozugt ansteuert. Soundsoundso sei das gewesen. Und er schüttelt mit dem Kopf - das könne doch nicht sein, daß die ihn so anbrüllt! Eine weitere Story folgt - mit einem jungen, testosteronlastigen "Kollegen" - der ihn, statt nach seinem Wunsche die Fahrgäste im Konvoi zu fahren, verblasen hätte. Und und und - wenn man ihn nicht ausbremst, wird er sicher so weitererzählen.

Ich meine nur - wozu er sich denn überhaupt noch aufrege - nach 54 Jahren?
Naja - das könne doch so nicht sein.
Doch - es ist so.

Es gibt eben immer wieder mal  solche Situationen - in denen man eventuell kurz aneinanderprallt. Aber das sei doch das, was wir am wenigsten brauchen können - untereinander noch zusätzlichen Streß zu machen - es reicht doch, was sonst alles abläuft.

Was ich denn machen würde - wenn mir einer so kommt?

Ich rede nicht mehr mit denen, ignoriere die - ist meine Antwort.
Habe nach ein paar Jahren gemerkt - daßmir solche überflüssigen "Streiterein" lediglich auf meine eigene Gesundheit schlagen.

Hmmmhhhh.
Kann man auch - meint er - aber wie sollen die dann lernen, wie sie  es anders machen (sollen - nach seiner Ansicht .....)?

Dieser Mensch ist eine gute Erinnerung - daran, daß es sich nicht lohnt - und ich sag´s ihm auch so: ".... sich für die paar Kröten aufzuregen über sowas."
Erinnere mich an meine Anfangszeit - in der ich mir noch ein paar "Schlachten" lieferte mit speziellen Kollegen. Nicht immer war ich im Recht - aber aus Prinzip habe ich drauf bestanden. Hahaha ....
Heute steige ich nur noch sehr sehr selten auf solche Situationen ein. Das letzte Mal kurz - als einer zu mir sagt: "Hast Du nicht gehört, was ich Dir gesagt habe?!!!!"  Von mir aus kann der auch ein Lied singen - und akrobatische Kunststücke machen - warum sollte mich das interessieren?

Methusalem spiegelt mir heute gleich zweierlei: Ich bin immer noch keine echte Taxifahrerin - und will auch gar keine sein - sonst würde ich mich wohl mehr aufregen und das blöde Spiel ernst nehmen.  Und: Es lohnt sich wirklich nicht - sich an diesen kleinen Dingen festzubeißen - schon gar nicht nach Jahren der Er-Fahrung.

Im Prinzip gibt es in dieser Branche keine "Kollegialität" - denn jeder fährt für sich - was in der Natur des Geschäftes und der Geschäftsbedingungen liegt. 

Aber - es gibt viele feine Menschen, die in der gleichen Angelegenheit wie ich auf den Straßen unterwegs sind - und die ich immer wieder mal antreffe. Wir grüßen uns freundlich - unterhalten uns ein wenig - und machen auch gerne Späße während der Wartezeiten. Wie gestern - als ich nach langer Zeit mal wieder die zwei Pünktchen auf dem Display erreicht hatte (mehr als 99 Minuten Wartezeit .... ) - und der ganz feine Kollege sich beim Ankommen hinten erfrechte, mir zuzurufen "Du blockierst mal wieder!". Kurz danach - ging´s ganz gut weiter .....

Es ist gesünder und erbaulicher - sich an die vielen netten Menschen zu halten - die man immer wieder trifft - als an ein paar unangenehmere Ausnahme-Exemplare und -situationen unter Tausenden.

Nur noch vier Wochen Ferien - sagt ein anderer vormittags - dann hätten wir´s geschafft.
Der - fährt heute "Doppelschicht" - von Freitag morgen um sechse bis Samstag morgen um fünfe - so lautet sein Plan. Und der macht das .... hat das früher schon gemacht - und wird es jetzt erst recht tun, seit er sein eigener Unternehmer ist. Ich erlaube mir dennoch - anzumerken, daß das der helle Wahnsinn ist und sich nicht wirklich lohnt - rein gesundheitlich.  Da eh nicht viel laufen würde bis vier, fünf Uhr nachmittags ...... aber wem sage ich das. Der weiß es ja - ist schon seit Jahrzehnten ein echter Taxifahrer.

Übrigens - einer von denen - mit denen ich lange nicht mehr geredet habe - weil er mir einst auf recht schäbige Weise eine Fahrt weggeklaut hatte. Später erfuhr ich - daß er sich selbst unter hohen, finanziellen Druck begeben hat - er hatte Raten für ein Haus abzubezahlen. Kein Grund - sich schäbig zu verhalten eigentlich - aber möglicherweise verständlich.  Und seit einigen Monden reden wir ja wieder miteinander .....

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