Dienstag, 8. Juli 2014

Schöner Tagesbeginn - und: Was macht denn eigentlich die Heilsarmee?

Der Nachtfahrer hat mir eine Tafel Schokolade mit einem Zettelchen hinterlassen - sehr nette Überraschung am Morgen! Vermutlich - weil er manches Mal länger fährt ... wie heute morgen auch. Einer von "Hardcore-Fahrern" - mit unglaublichen Umsätzen manchmal. Ein sehr Netter. Er rief an und fragte, ob ich schon am Platz sei? Neinnein - kannst Dir Zeit lassen, kein Problem.

Denke wiederholt: Das ist viel wert - lauter nette Kollegen auf den Autos zu wissen - mit denen es nie sinnfreien Ärger gibt - ganz anders, als in manch anderen Konstellationen! Und auch - daß die Autos gepflegt werden ... auf solche Schmuddelkarren, wie ich sie manchmal sichte,  kann ich nämlich auch gerne verzichten. Ja - wie es "bei uns"  miteinander Hand in Hand geht - und wie miteinander kommuniziert wird - ist schon eine Wohltat und nicht zu unterschätzen.

Als ich wenig später an einem Halteplatz in Bahnhofsnähe ansetze, erscheint neben mir an der offenen Limousinentür ein junger Mann - und spricht mich etwas zögerlich an. Ich steige aus - rede nicht gerne nach oben - und er möchte wissen - "wo das sei?" Das sei ganz woanders - in einem anderen Stadtteil. Wie er dahin käme? Er sei ortsfremd. Kommt gerade aus Stuttgart  - und ist obdachlos. Da solle es eine Unterkunft für obdachlose Jugendliche geben.
Nun - das ist schwierig zu erklären. Etwa 5 Kilometer weg. Ob er zu Fuß gehen wolle? Ich nenne ihm noch zwei Straßenbahnlinien, die dorthin fahren. Aber irgendwie - gefällt ihm die Antwort nicht wirklich ... es kommt keine Energie bei ihm auf, sich auf den Weg zu machen.

Ob ich vielleicht eine andere Schlafstelle wüßte. Nein, leider nicht. Ob er schon mal bei der Bahnhofsmission angefragt habe? Vielleicht hätten die ja auch ein gutes Frühstück für ihn da?
Ja - hat er schon. Freitag ist er angekommen - jetzt ist Montag - und jeden Tag war er bei denen, um zu hören, daß sie ihm nicht weiterhelfen können am Wochenende. Ich gucke erstaunt und meine: Hä? Wat machen die denn da den ganzen Tag?

Die Nächte hat er am Rhein geschlafen.  Es ginge ihm weniger um Essen - als um einen Schlafplatz.
Ob er denn mal die Kollegen gefragt hätte? Welche Kollegen? Naja - es gibt noch eine Menge anderer Obdachloser in der Kolonie. Ja - aber die, die er getroffen hätte, seien auch nicht aus der Stadt - alle unterwegs und auf Durchreise.

Netter, angenehmer Typ. Hochgewachsen und kräftig. Freundliches, friedliches Gemüt. Viele Ringe im Gesicht - Piercing - aber dennoch lichtes Antlitz.
Ich kann ihm leider keine guten Tips geben - und stelle fest: Ich habe keinen Schimmer - wo es Schlaf- und Anlaufstellen für Obdachlose gibt. Später, als er wieder weg ist, fällt mir nochwas ein - aber so recht hätte ihm das auch nicht weitergeholfen. Habe aber den Eindruck - daß es ihm schon mal gut getan hat - ein paar Worte loszuwerden zum vergangenen Wochenende.

Das ist eine Mär - daß Taxileute alles wissen. Jedenfalls, was mich betrifft. Seine Welt - hat sich mir noch nie erschlossen - und ich bin so gar nicht traurig drum. Frage mich nur - wozu es eine "Heilarmee" im Bahnhof gibt - wenn die dem keine brauchbaren Tips geben können.

Dieser hier - ist jung und kräftig - er wird schon das Richtige finden.  Und auch ein paar Menschen - die ihm bessere Hinweise geben können.  Ich werde vielleicht mal bei den Kollegen nachhören - ob die was Gutes wissen .... falls noch mal einer fragt.

Dann geht´s für mich weiter - Richtung Flughafen. Fein. Dort mache ich ein bischen "Urlaub" ... bis es von dort aus weitergeht. Mit etwa 70 Prozent südländischer Klänge und einer phantastischen "Bude" für Taxileute - da gibt es richtig guten Kaffee, leckeres Frühstück - auch südländisches -  und selbstgekochtes türkisches, gesundes Mittagessen oder leckere italienische Pizzen - alles zu moderaten und richtig fairen Preisen. Alles frisch und  handgemacht. Die Köchin - wie aus dem Bilderbuch ..... rund und warm.

Ringsum - eine hübsche Terrasse mit viel Grün. Wie Urlaub im Süden eben ..... irgendwie. Männer, die Schach spielen und Backgammon. Die laut reden in anderen Sprachen - und tausendmal "Salam Aleikum" und andere nette Begrüßungen von sich geben. Hat was. Also "Ambiente".

Einmal geht´s nach Bonn raus - und wieder zurück zum Flughafen. Fein! Dann einen netten, sehr aufgeweckten  Münchner in die Kolonie - sehr gute Fahrt für mich - und eine interessante Unterhaltung. So - läßt sich dieser "Beruf" gut leben. So - sollte es immer sein. Kleiner Scherz ..... schon wenig später ist es wieder ganz anders.

Diese Frage - was die da eigentlich bei der Heilsarmee machen - begleitet mich den ganzen Tag. Und auch die Freude über die nette Geste vom Kollegen am Morgen.

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